Ecopop-Absturz war (auch) mobilisierungsbedingt

Die Ecopop versetzte den schweizerischen Politbetrieb während Monaten in einen hyperaktiven Krampfzustand - und am Ende gebar der Berg, möglicherweise auch deswegen, eine Maus. Nur etwa ein Viertel stimmte der Initiative zu. Der Prognostiker eines derartigen Resultats wäre ausgelacht worden, denn das war weit weniger als irgend jemand erwartet hätte - mich selber eingeschlossen

Meine Analyse der Zürcher Gemeinderesultate "Von der MEI zum Ecopop-Nein" (Siehe dazu auch den Artikel im Bund/Tagesanzeiger vom 6.12.2014) liefert nun Indizien dafür, dass das spektakuläre Scheitern der Ecopop wahrscheinlich auch selektiver Mobilisierung zuzuschreiben ist. Einerseits blieben potentielle Befürworter aus dem nationalkonservativen Lager der Urne fern, andererseits wurden aber auch Gegner, insbesondere in den liberalen Gebieten am Zürichsee aber auch in der progressiven Stadt Zürich mobilisiert.

Diese Konstellation, die im übrigen durch die Befragungsdaten der VOX-Analyse rundweg bestätigt wird, wirkte sich kumuliert zuungunsten der Ecopop aus. Instruktiv ist dabei der Vergleich mit dem Mobilisierungsmuster der Masseneinwanderungsinitiative. Sie brachte ihre Befürworter an die Urne: 

Mobilisierung Ecopop und MEI Kanton Zürich

In meiner Erfahrung ist die Mobilisierungskonstellation der Ecopop ziemlich einzigartig. Die Regel ist das Muster der Masseneinwanderungsinitiative: Das normalerweise stimmabstinente nationalkonservative Potenzial, welches in der zweiten Hälfte des Stimmvolkes schlummert, wird geweckt, und verhilft Initiativen der SVP zu Mehrheiten - oder linken zum Schiffbruch. Beispiele sind etwa die Minarettinitiative (2009) für ersteres und die Abschaffung der Wehrpflicht (2013) für letzteres.