Panaschierstatistik - einmal anders

Wenn man ganz ehrlich sein will: die Panaschierstatistik, so heiss sie jeweils nach den Kantonsratswahlen erwartet wird - birgt für den langjährigen Beobachter meist keine Überraschungen. Die Panaschierkönige sind meist etwa dieselben, und die Präferenzen der Parteiwähler für die Konkurrenz sind im Grunde genommen erstaunlich stabil. Deshalb habe ich in der diesjährigen Aktualisierung (statistik.info 04/2015) zumindest eine grafische Neuerung versucht: Die Darstellung der Panaschiermatrix in einem "Chord-Diagramm", wie sie aktuell, dank einfacher Herstellungsmöglichkeiten z.B. in R, populär sind.

Ganz nett anzuschauen ist das, perfekt als teaser für den Twitter - und es gibt bestimmt einen ersten Überblick. Ob es freilich der traditionellen Darstellung wirklich klar überlegen ist, scheint mir hingegen eher fraglich ...

 

Zwar ist das Panaschierverhalten in seinen Griundzügen recht stabil. Dennoch gibt es Entwicklungen im Detail, die durchaus interessant sind. Die folgende Grafik zeigt vereinfachend, wohin die Stimmen verloren gehen und wie sich dies entwickelt hat.

So ist etwa die FDP-Wählerschaft vergleichsweise wankelmütig: Nach einem Sprung hin zur Mitte 2011 ist sie dieses Jahr wieder etwas nach rechts, zur SVP gerutscht. Es ist wohl nicht abwegig, darin ein Symptom einer gewissen Unsicherheit zu sehen: gehört man nun klar nach rechts, oder doch eher an den rechten Rand der Mitte? Dasselbe gilt übrigens auch für die CVP und die EVP-Wählerschaften, die etwas weniger akzentuiert offenbar in einem ähnlichen Dilemma stehen. Einen relativ klaren Trend gibt es allerdings: die Kandidaturen der Linksparteien verlieren in dieser relativen Perspektive für die Wählerschaften beinahe aller anderen Parteien rechs davon an Attraktivität.